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Die eigene Strategie gegen Gewalt finden

Wer Gewalt erlebt oder beobachtet, fühlt sich oft überfordert. Der Hilfe-Typen-Check gibt Tipps, wie jede und jeder helfen kann: mit einer Handlungsstrategie, die gut zu den eigenen persönlichen Bedürfnissen passt.

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Hilfestrategien gegen Gewalt

Rund 96 Prozent der Menschen in Deutschland verurteilen Gewalt gegen Frauen. Als Zeuginnen und Zeugen in einer konkreten Gewaltsituation fühlen sich dennoch viele überfordert. Sie sind unsicher, wie die Situation einzuschätzen ist oder befürchten, das Falsche zu tun.

Manchmal erscheinen die „richtigen“ Handlungsempfehlungen auch nicht passend oder durchführbar in der eigenen Situation. Aber Wegschauen ist trotzdem keine Lösung: Wer Gewalt in der Öffentlichkeit erlebt, sollte Betroffenen helfen, ohne sich dabei selbst zu gefährden. Denn Täter oder Täterinnen üben Gewalt an Frauen aus, weil sie damit rechnen, keinen Widerstand zu erfahren. Gibt es viele Zeuginnen und Zeugen, fühlt sich meist niemand verantwortlich. Die oder der Einzelne denkt, dass jemand anderes dazwischen gehen wird – und oft greift dann niemand ein. So bleiben Betroffene in Gewaltsituationen oft allein.

Die Erfahrung zeigt aber: Gewalt lässt sich in einem frühen Stadium meist stoppen. Dabei ist die eigene Handlungsstrategie entscheidend. Denn der erste Schritt gegen Gewalt ist für jede und jeden anders und muss zur eigenen Person passen.

Der Hilfe-Typen-Check wurde gemeinsam mit den Fachpartnern der Initiative erstellt. Die einzelnen Hilfe-Typen basieren auf den drei übergeordneten Handlungsstrategien zur „Bystander Intervention“, die das amerikanische Green Dot Program empfiehlt, um machtbasierte Gewalt wie sexuelle Übergriffe oder häusliche Gewalt zu verhindern oder zu unterbinden.

Der Check macht deutlich: Es gibt viele Wege, gegen Gewalt zu handeln – alle sind richtig. Eine persönliche Strategie macht Helfende stärker als Gewalt. Wichtig ist in jedem Fall, dass Helfende auf die betroffene Person zugehen und – wenn die Möglichkeit gegeben ist – fragen, wie sie vorgehen möchte. Helfende sollten sich nie selbst in Gefahr bringen.

Im Folgenden werden die drei Hilfe-Typen und entsprechenden Handlungsstrategien erläutert.

Hilfe-Typ „Teamplayerin“ oder „Teamplayer“

Teamplayerinnen oder Teamplayer setzen auf Zusammenarbeit. Wenn sie Gewalt beobachten, organisieren sie Hilfe und holen andere Menschen mit ins Boot.

Gemeinsam #StärkerAlsGewalt – mit den Stärken der Teamplayerin oder des Teamplayers:

  • Sie springen selten einfach unüberlegt in eine Situation hinein
  • Wenn sie handeln, ist ihnen die Unterstützung anderer Menschen wichtig
  • In herausfordernden Situationen reagieren sie eher besonnen

Wer Gewalt beobachtet und einschreitet, sollte in jedem Fall immer auf die betroffene Person zugehen und – wenn die Möglichkeit gegeben ist – fragen, wie sie vorgehen möchte. Man sollte nicht ohne ihr Einverständnis handeln.

Wer dann gemeinsam mit Freundinnen und Freunden oder Umstehenden eingreift, sollte nie sich selbst oder andere in Gefahr bringen. Denn im Vordergrund steht immer die eigene Sicherheit und die der angegriffenen Person. Sind mehrere oder bewaffnete Tatpersonen beteiligt oder droht akute Gefahr, dass jemand verletzt wird: sofort den Notruf 110 wählen und die Polizei verständigen. Und in jedem Fall Notizen und nach Möglichkeit Fotos machen: Das hilft Betroffenen, wenn sie (zu einem späteren Zeitpunkt) Anzeige erstatten wollen oder die Aussagen von Zeuginnen und Zeugen brauchen.

Hilfe-Typ „die Kreative“ oder „der Kreative“

Wenn Hilfe gebraucht wird, fällt den Kreativen garantiert etwas ein, um die Situation erst einmal zu entschärfen. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf sich, um die Lage zu entspannen – ob mit einer spontanen Ablenkung oder einem entwaffnenden Spruch.

Gemeinsam #StärkerAlsGewalt – mit den Stärken der Kreativen:

  • Sie können gut „um die Ecke denken“
  • Sie gehen die Dinge gern auf ungewöhnlichem Weg an
  • Mit spontaner Kreativität verblüffen sie ihr Umfeld immer wieder

Wer Gewalt beobachtet und einschreitet, sollte in jedem Fall immer die betroffene Person fragen, wie sie vorgehen möchte – und nicht ohne ihr Einverständnis handeln.

Manchmal reicht schon eine Unterbrechung, um eine kritische Situation aufzulösen. Im Vordergrund steht immer die eigene Sicherheit und die der angegriffenen Person. Ob es mit einer geschickten Ablenkung gelingt, Menschen vor Gewalt zu schützen, hängt von der Situation ab: Sind mehrere oder bewaffnete Tatpersonen beteiligt oder droht akute Gefahr, dass jemand verletzt wird: sofort den Notruf 110 wählen und die Polizei verständigen. Und in jedem Fall Notizen machen: Das hilft Betroffenen, wenn sie (zu einem späteren Zeitpunkt) Anzeige erstatten wollen oder die Aussagen von Zeuginnen und Zeugen brauchen.

Hilfe-Typ „Klartexterin“ oder „Klartexter“

Wenn jemand Hilfe braucht, zögern Klartexterinnen oder Klartexter nicht lang. Sie sprechen die Tatpersonen direkt an und machen klar: So nicht! Sie gehen mutig voran und helfen damit anderen, ebenfalls einzuschreiten und gemeinsam zu helfen.

Gemeinsam #StärkerAlsGewalt – mit den Stärken der Klartexterinnen und Klartexter:

  • Sie zögern in der Regel nicht groß, sondern greifen ein
  • Sie agieren meist spontan
  • Auch in schwierigen Situationen sind sie selbstsicher 

Wer Gewalt beobachtet und einschreitet, sollte in jedem Fall immer die betroffene Person fragen, wie sie vorgehen möchte – und nicht ohne ihr Einverständnis handeln.

Wichtig ist, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Im Vordergrund steht immer die eigene Sicherheit und die der angegriffenen Person. Wie sich am sichersten eingreifen lässt, hängt auch von der Situation ab: Sind mehrere oder bewaffnete Tatpersonen beteiligt oder droht akute Gefahr, dass jemand verletzt wird: sofort den Notruf 110 wählen und die Polizei verständigen. In jedem Fall Notizen machen: Das hilft Betroffenen, wenn sie (zu einem späteren Zeitpunkt) Anzeige erstatten wollen oder die Aussagen von Zeuginnen und Zeugen brauchen.

Egal welcher Hilfe-Typ: Wer handelt, handelt richtig. Das gilt für den Hilfe-Typ Klartexterin oder Klartexter ebenso wie für denHilfe-Typ Teamplayerin oder Teamplayer oder den Hilfe-Typ die oder der Kreative – jedes Verhalten ist richtig. Das Wichtige ist: zu handeln macht den Unterschied.

Gut zu wissen: Beratungsstellen helfen jederzeit kostenlos und anonym weiter und informieren über Möglichkeiten, gegen Gewalt aktiv zu werden. Das Angebot richtet sich an betroffene Personen genauso wie an Zeuginnen und Zeugen, den Freundeskreis, die Nachbarschaft und die Familie. Erfahrene Beraterinnen und Berater, die sich gut mit Möglichkeiten und Vorgehensweisen auskennen, unterstützen zu Themen wie häusliche Gewalt, digitale Gewalt, sexualisierte Gewalt uvm.

Hilfe- und Beratungsangebote

Sie sind von Gewalt betroffen oder wollen einer betroffenen Person helfen? Hier finden Sie Hilfe und Beratung.

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