Du kannst helfen!

Schreie aus der Nachbarwohnung, Belästigung von Ex-Partnerinnen oder -Partnern über Soziale Medien – Situationen, in denen die Hilfe aus dem Umfeld für Betroffene ganz besonders wichtig ist.  Zu wissen, was man tun kann, macht Helfende stärker als Gewalt – im häuslichen Umfeld ebenso wie am Arbeitsplatz oder in der Öffentlichkeit.

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Informiert gegen Gewalt einschreiten

Häusliche Gewalt, Übergriffe in der Öffentlichkeit oder Belästigungen am Arbeitsplatz: Viele Menschen, die Zeugin oder Zeuge von sexualisierter Gewalt werden, möchten helfen – aber sie haben oft Sorge, die Situation falsch einzuschätzen oder falsch zu handeln.

Wichtig ist zu wissen: Es gibt keine „Patentlösung“, sondern viele Wege, aktiv gegen Gewalt zu werden. Wegschauen ist keine Lösung.

Betroffenen fällt es oft sehr schwer, sich selbst aus der Gewaltsituation zu befreien. Umso wichtiger ist es, dass Menschen in ihrem Umfeld sie unterstützen. Gewalt lässt sich stoppen. Wer Gewalt in der Nachbarschaft, im Freundeskreis oder in der Öffentlichkeit beobachtet, kann Betroffenen helfen, ohne sich dabei selbst zu gefährden.

Wer Zeugin oder Zeuge von Gewalt wird und einschreitet, sollte – sofern es in der Situation möglich ist -immer zuerst die betroffene Person fragen, wie sie vorgehen möchte und nicht ohne ihr Einverständnis handeln. Hilfreich ist es in jedem Fall auch, sich als Zeugin oder Zeuge Notizen oder Aufnahmen zu machen: Sie helfen Betroffenen, wenn sie (zu einem späteren Zeitpunkt) Anzeige erstatten wollen oder Zeugenaussagen brauchen.

Ist akute Gefahr im Verzug oder sind mehrere oder bewaffnete Tatpersonen beteiligt, gilt aber immer: Die Polizei über den Notruf verständigen. Im Vordergrund steht die eigene Sicherheit und die der angegriffenen Person.

Hier finden Sie Tipps zum aktiven Handeln in beispielhaften Situationen.

Im privaten Umfeld

Ein Streit nebenan eskaliert. Schreie, Schläge, Türen knallen sind zu hören. Die Situation wirkt bedrohlich.

So kann man helfen:

  • Nachbarinnen und Nachbarn dazu holen, um gemeinsam an der Tür der Wohnung zu klingeln.
  • Eine Beratungsstelle anrufen und um Rat fragen.
  • Sollte die Situation akut eskalieren gilt: Die Polizei rufen. Das geht auch anonym.

 

Eine Freundin zieht sich immer mehr zurück. Es fällt auf, dass ihr Partner sie vor anderen beschimpft und demütigt. Sie wirkt verängstigt.

So kann man helfen:

  • Mit der Freundin über das Verhalten des Partners sprechen und Unterstützung anbieten, wie beispielsweise, gemeinsam eine Beratungsstelle aufzusuchen.
  • Auf weniger direktem Weg kann das Beispiel einer fiktiven Bekannten helfen: Wie ist diese mit der Situation umgegangen?
  • Hinweise geben auf Hilfsangebote wie das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen oder weitere, die auf stärker-als-gewalt.de zu finden sind.

 

Eine Bekannte berichtet, dass sie über einen Online-Chat von einem Ex-Freund belästigt wird und unerwünschte Fotos zugeschickt bekommt. Sie ist aber unsicher, wie sie gegen diese Form von digitaler Gewalt vorgehen kann.

So kann man helfen:

  • Dazu raten, Screenshots zur Dokumentation zu machen und Bilder nicht zu löschen, sondern zu speichern, um damit bei der Polizei Anzeige zu erstatten.
  • Dabei helfen, die Tatperson zu blockieren und die Belästigung dem Social Network zu melden.
  • Kontakt aufnehmen mit einer Beratungsstelle (siehe „Hilfe finden“ auf stärker-als-gewalt.de).

 

Am Arbeitsplatz

Es fällt auf, dass ein Vorgesetzter eine Auszubildende belästigt. Es kommt zu unerwünschten Berührungen und anzüglichen Bemerkungen. Die Frau traut sich nicht, sich dagegen zu wehren.

So kann man helfen:

  • Den Vorgesetzten direkt zur Rede stellen und auf sein inakzeptables Verhalten hinweisen.
  • Der Kollegin anbieten, den Vorfall gemeinsam bei der Personalabteilung oder Gleichstellungsbeauftragten zu melden.
  • Eine firmeninterne oder eine andere Beratungsstelle oder das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen kontaktieren, um fachlichen Rat einzuholen.

 

Ein Kunde belästigt eine Kollegin mit anzüglichen Bemerkungen. Die Kollegin ist verunsichert und traut sich nicht, den Kunden in seine Schranken zu weisen.

So kann man helfen:

  • Dem Kunden direkt selbst oder mit der Unterstützung weiterer Kolleginnen und Kollegen klar zu verstehen geben, dass dieses Verhalten nicht akzeptabel ist.
  • Um die Kollegin aus der Situation zu holen, kann auch die Bitte, bei einer Aufgabe zu helfen, ein Weg sein. Möglich ist auch, den Kunden durch ein belangloses Gespräch abzulenken, sodass die Kollegin Gelegenheit hat, aus der Situation herauszukommen.
  • Im Nachhinein kann es der Kollegin helfen, gemeinsam nächste Schritte zu besprechen – zum Beispiel, eine Beratungsstelle zu kontaktieren oder den Vorfall firmenintern zu melden.

 

In der Öffentlichkeit

Im Bus wird eine Frau von mehreren Personen bedrängt. Andere Fahrgäste reagieren nicht, und die Situation wirkt zunehmend bedrohlich.

So kann man helfen:

  • Die Tatpersonen laut darauf hinweisen, dass sie aufhören sollen.
  • Dadurch werden auch andere aufmerksam, die direkt angesprochen werden können: „Bitte helfen Sie mir. Ich glaube, die Frau dort wird belästigt.“
  • Die Frau ansprechen, ohne auf die Situation einzugehen, und sie zum Beispiel zu bitten, eine Fahrroute auf einem Aushangplan zu zeigen und sie so aus der Situation herauszuholen.

 

Auf einem Konzert wird eine Frau in der Warteschlange begrapscht. Sie fordert die Tatperson auf, das zu unterlassen – ohne Erfolg.

So kann man helfen:

  • Die Tatperson ebenfalls laut darauf hinweisen, dass sie aufhören soll.
  • Der betroffenen Frau anbieten, die Polizei oder Sicherheitspersonal hinzuzuholen.
  • Eine indirekte Option kann es auch sein, die Frau in ein Gespräch zu verwickeln und sie so aus der Situation zu holen.