Männerberatung: So finden Männer Unterstützung

Wenn Männer Gewalt in einer Partnerschaft erleben, scheuen sie oft davor zurück, sich Hilfe zu holen. Männerberater helfen Betroffenen dabei, einen individuellen Weg aus der Gewaltsituation zu finden.

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Wie Beratungsangebote Männer in schwierigen Situationen unterstützen

Sie schlägt, schreit ihn an, demütigt ihn im Freundeskreis: Psychische und körperliche Gewalt in der Partnerschaft betrifft auch Männer. Gewalt gegen Männer hat viele Gesichter und ist keine Frage des Alters oder der Herkunft. Laut Statistik des Bundeskriminalamts waren allein im Jahr 2018 rund 26.300 Männer von Gewalt in der Partnerschaft betroffen.

Oft zögern Männer aber, Hilfe- und Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Scham spielt dabei häufig eine Rolle: Aus Angst vor Spott oder Ungläubigkeit scheuen betroffene Männer davor zurück, sich Fachkräften anzuvertrauen. Dabei gibt es bundesweit spezialisierte Beratungs- und Anlaufstellen, die betroffene Männer unterstützen und ihnen in ihrer individuellen Situation weiterhelfen. Über Hilfetelefone und Bereitschaftshandys sind Berater direkt erreichbar. Auch Männerschutzwohnungen stehen Betroffenen an einigen Orten offen.

„Gewalt in der Partnerschaft geht gar nicht! Gewalt von Männern zu stoppen ist für uns ebenso ein Anliegen, wie gewaltbetroffenen Männern zu helfen. Fast 20 Prozent der Betroffenen von Partnerschaftsgewalt sind Männer. Es ist wichtig den Betroffenen endlich die Hilfe zukommen zu lassen, die sie brauchen.“

Dr. Dag Schölper, Bundesforum Männer

Beratung für Männer

Es ist immer sinnvoll, sich an eine Beratungsstelle zu wenden, wenn man sich bedroht fühlt oder Gewalt erlebt hat. Aber auch, wenn man selbst gewalttätig geworden ist und dies beenden möchte. In der Beratung unterstützen geschulte Fachkräfte Männer dabei, gemeinsam einen individuellen Weg aus der Gewaltsituation zu finden.

Im Folgenden berichtet Rüdiger Jähne, Dipl. Sozialpädagoge/Dipl. Sozialarbeiter und Jungen-, Männer- und Gewaltberater vom SKM Bundesverband, aus seiner Erfahrung.

In welchen Situationen können sich Männer an die Berater wenden?

Rüdiger Jähne: Die meisten Männer suchen Unterstützung bei Problemen in einer Beziehung, Partnerschaft oder Ehe. Viele sind aber auch Täter oder Opfer häuslicher Gewalt und auf der Suche nach Auswegen aus der Gewalt. Weitere Themen sind Männlichkeit und Sexualität, Vaterschaft und Erziehung und Krankheit und Depression.

Was sind mögliche nächste Schritte nach einer Erstberatung?

Rüdiger Jähne: In einer Erstberatung geht es zunächst darum, den Mann kennenzulernen und seine Notlage zu verstehen. Es kann mitunter lange dauern, bis er in der Lage ist, zu formulieren, was sein Anliegen ist und was er sich von der Beratung verspricht, welche Hilfe er benötigt. Gemeinsam überlegen der ratsuchende Mann und der Berater, wie es weitergehen kann.

Welche Zielgruppen nutzen die Hilfeangebote?

Rüdiger Jähne: Die Beratung erreicht Männer aus der gesamten Gesellschaft. Oftmals werden Männer von anderen Einrichtungen, Beratungsstellen oder Maßnahmen an unser Angebot vermittelt.

Über welche Kanäle erreicht das Angebot Männer?

Rüdiger Jähne: Um mehr Männer mit Beratungsangeboten wie „Echte Männer reden.“ zu erreichen, nutzen wir soziale Medien wie Facebook, Instagram oder Twitter und produzieren YouTube-Videos. Mit eigenen Broschüren machen wir Männerberater für die Beratung fit. Ein wichtiger Baustein ist die von uns und Caritas Münster neu entwickelte Weiterbildung zum Männerberater.

„Der Beratungsprozess hilft Männern, zu verstehen, wie die Gewaltdynamik funktioniert und welche Rolle sie selbst hierbei einnehmen. So werden sie in der Haltung bestärkt, dass niemand Gewalt aushalten muss. Männer erfahren so, welche Möglichkeiten sie haben, aus dem Gewaltkreislauf auszusteigen.“

Rüdiger Jähne, SKM Bundesverband

Männergewaltschutz

Die Angebote von Männergewaltschutzprojekten richten sich an alle Männer – und zum Teil auch deren Kinder – die von häuslicher oder sexueller bzw. sexualisierter Gewalt im häuslichen oder außerhäuslichen Rahmen betroffen sind oder selbst Täter sind. Dabei unterstützen die Fachkräfte nicht nur in akuten Gefährdungssituationen, sondern auch im Vorfeld von Gewaltereignissen: Zum Beispiel in krisenhaften Trennungs- und Scheidungssituationen, wenn die Gefahr besteht, Opfer von Gewalt oder selbst zum Täter zu werden.

Die Beratungsangebote stehen Männern in gemischt- und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften offen sowie Männern in bi-nationalen Partnerschaften bzw. mit Migrationshintergrund, die zum Beispiel von Zwangsheirat oder aufgrund von homosexuellem Outing bedroht sind.

„Betroffene sind nicht allein. Die öffentliche Präsenz von Männerschutzwohnungen und Hilfetelefonen erzeugt bei Männern das Gefühl, dass sie von Gewalt betroffen sein dürfen.“

Enrico Damme, Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz

Hemmnisse und Barrieren: Wie kann Hilfe und Unterstützung ankommen

Der erste Schritt ist für von Gewalt betroffene Männer oft der schwerste – dabei spielen auch Alter und Sozialisation eine Rolle. Dr. Dag Schölper vom Bundesforum Männer und Rüdiger Jähne vom SKM Bundesverband kennen die Hürden, die viele Männer zunächst überwinden müssen.

Welche Hemmnisse und Barrieren gibt es, die speziell Männer überwinden, bis sie Hilfe suchen? 

Dr. Dag Schölper: Hilfesuchenden Männern stehen gesellschaftliche Normen und kulturelle Vorurteile im Weg: „Der starke Mann“ oder „Wer Schwäche zeigt, ist ein Versager“. Es geht dabei nicht nur um das gesellschaftliche Bild oder die Erwartungen in Familien und Bekanntenkreis, oft sind es auch die eigenen Männlichkeitserwartungen, die verhindern, dass ein Mann sich selber eingesteht, in einer gewaltvollen Situation zu sein und dass es in Ordnung ist, Hilfe zu brauchen. Die Gewalt der Partnerin oder des Partners wird dann schnell als eigenes Versagen, als „selber schuld sein“ gedeutet und ausgehalten. Reagiert das Umfeld ignorant oder verharmlosend auf die Situation, bauen sich die Barrieren noch stärker auf. Hinzu kommen Ängste, bei Veröffentlichung des Gewalterleidens nicht als Opfer, sondern als eigentlicher Täter beschuldigt zu werden. Diese Angst ist leider nicht immer unbegründet. Teilweise erschweren es auch Sprachbarrieren und fehlende männersensible Beratungskonzepte Männern, Hilfsangebote überhaupt wahrzunehmen oder sich von diesen angesprochen zu fühlen.

Rüdiger Jähne: Die erste Hürde liegt oft darin, sich der eigenen Probleme bewusst zu werden und sich einzugestehen, dass man(n) nicht in der Lage sein kann und muss, stets alle Probleme allein zu lösen. Wir erleben, dass es Männern manchmal aufgrund ihres Alters oder ihrer Sozialisation häufig schwerfällt, ihre Bedürfnisse und Gefühle zu erspüren und auszudrücken. Hinzu kommen reale oder wahrgenommene Hürden von außen, Angst vor Stigmatisierung und Verurteilung, wenn Männer Hilfe in Anspruch nehmen.

Die Erfahrung der Fachpartner zeigt: Männerfokussierte Angebote tragen dazu bei, diese Barrieren zu überwinden. Auch Männer, die zuvor noch nie eine Beratung in Anspruch genommen haben oder mit anderen über ihre persönlichen Belange gesprochen haben, empfinden das Beratungsangebot in der Regel als sehr passend und entlastend. Sie äußern sich positiv darüber, dass sie als Menschen angenommen wurden. Dies verdeutlichen auch die nachfolgenden Fallbeispiele von der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz, in denen gewaltbetroffenen Männern geholfen werden konnte.  

Zum Beispiel ein 45-jähriger leitender Angestellter, der von seiner Frau massiv unter Druck gesetzt wurde. Sie verwehrte ihm den Zugang zum gemeinsamen Haus und verbot ihm den Kontakt zu den gemeinsamen Kindern im Teenageralter. Der Mann ließ sich beraten. Nach einigen Monaten beendete er die Ehe und zog in eine eigene Wohnung. Der Kontakt zu den Kindern blieb erhalten. Und ein 51-jähriger bildender Künstler, der vom Liebhaber seiner Ehefrau tätlich angegriffen und von seiner Frau bedroht wurde. Der Mann befand sich in einer finanziellen Abhängigkeit zu seiner Ehefrau, da er bislang die Kinderbetreuung übernommen hatte und seiner beruflichen Tätigkeit nur eingeschränkt nachgehen konnte. Dennoch entschied er sich nach einer Beratung, die Beziehung zu beenden und in eine eigene Wohnung zu ziehen.

DIREKTE HILFE

BEI HÄUSLICHER GEWALT

Hier finden Männer Hilfe, wenn sie von häuslicher Gewalt betroffen sind:

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