Sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz: Formen und Definitionen

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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Sexismus und sexualisierte Gewalt sind ebenso wie Mobbing oder Diskriminierung sehr belastend für Betroffene.

Gerade bei sexueller Belästigung sind Betroffene oft unsicher: Ab wann fängt Belästigung an? Denn anfangs erscheinen viele Belästigungen beiläufig und äußern sich vielleicht nur in Anspielungen, Blicken oder Gesten. Die Unsicherheit geht oft einher mit der Frage: Werden die Kolleginnen und Kollegen und Vorgesetzten mir glauben? Hinzu kommt, dass sexualisierte Übergriffe schambesetzte, tabuisierte Themen sind – was es oft schwer macht, darüber zu sprechen.

Wichtig ist: Wer von Mitarbeitenden, Vorgesetzten oder Kundinnen und Kunden sexuell belästigt wird, sollte in keinem Fall schweigen und die Belästigungen und Übergriffe einfach ertragen. 

Sich an eine Beratungsstelle im Unternehmen oder auch außerhalb zu wenden, kann ein erster Schritt sein. Um den eigenen Fall schildern und belegen zu können, ist es wichtig, Definitionen und Arten von Belästigung am Arbeitsplatz zu kennen und zu wissen: Ab wann fängt Belästigung an? 

 

SEXUELLE BELÄSTIGUNG AM ARBEITSPLATZ: BEISPIELE

Blicke, Witze, Kommentare

Zu den sexuellen Grenzüberschreitungen, die Betroffene als unerwünscht und unangenehm empfinden, können zum Beispiel sexistische Sprüche am Arbeitsplatz oder unangemessene Kommentare zu Aussehen und Figur gehören. Auch anzügliches Anstarren ist eine Form von Belästigung.

Berührungen

Unerwünschte Berührungen gehören ebenfalls zu sexualisierter Gewalt. Zum Beispiel das scheinbar versehentliche Berühren an Po oder Brust beim Vorbeigehen. Aber auch das Zunahetreten in einem Gespräch kann eine Übergriffigkeit darstellen. 

Pornografische Bilder

Wenn am Arbeitsplatz oder in Gemeinschaftsbereichen wie dem Pausenraum sexistische, obszöne oder pornografische Bilder hängen. 

Aufforderung zu körperlichen Handlungen

Manchmal äußert sich ein sexueller Übergriff am Arbeitsplatz auch in der Aufforderung zu unerwünschten Handlungen, wie „Komm, setz dich doch mal auf meinen Schoß“ oder „Ich bin so verspannt, kannst du mir den Nacken massieren?“

Androhen von beruflichen Nachteilen oder in Aussicht gestellte Vorteile

„Mein Chef schreibt mir privat und will sich mit mir treffen“ – eine Situation, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in eine schwierige Situation bringen kann. Zu groß ist die Angst bei vielen vor den Folgen, wenn sie den Chef oder die Chefin zurückweisen. Geht die sexuelle Belästigung von Vorgesetzten aus, kann er oder sie beispielsweise mit beruflichen Nachteilen drohen, wenn die oder der Betroffene nicht auf sexuelle Avancen oder Einladungen eingeht. Auf der anderen Seite kann der oder die Vorgesetzte dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin bessere Karrierechancen in Aussicht stellen, wenn er oder sie sich auf eine Beziehung einlässt. 

 

MOBBING AM ARBEITSPLATZ

„Mobbing durch den Chef“, „Mein Kollege mobbt mich“: Im Internet suchen viele Berufstätige zu diesen Themen Rat. Mobbing im Unternehmen ist ebenso wie sexuelle Belästigung eine Form von Gewalt. Die Rechtsprechung definiert Mobbing als systematisches Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Menschen. Auch Sexismus kann am Arbeitsplatz Teil von Mobbing sein. Zum Beispiel, wenn Arbeitnehmerinnen eine Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz erleben: Mit Sprüchen wie „Schätzchen, lass das mal den Profi machen“ oder der systematischen Ausgrenzung von Frauen bei wichtigen Projekten. 

Mobbing*erkennen

Mobbingerkennen

Mobbing kann sich in ständigen Schikanen oder Diskriminierung am Arbeitsplatz äußern. Betroffene und das Umfeld können handeln – Beratungsangebote unterstützen sie dabei.

Wer ist von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen?

Das typische „Opfer“ von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gibt es nicht. Die Übergriffe können jeden Menschen betreffen – unabhängig von Geschlecht oder geschlechtlicher Identität, Aussehen, Alter oder Herkunft, dem Verhalten oder Familienstand.

Studien zeigen, dass Frauen und Trans-Personen ebenso wie queere, bisexuelle, lesbische oder schwule Menschen besonders gefährdet sind, sexuell belästigt oder sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz ausgesetzt zu sein. Das Gleiche gilt für Menschen mit Behinderungen und/oder Personen mit Migrationshintergrund.  

Jetzt handeln

Gegen Gewalt am Arbeitsplatz

Sie sind selbst von Gewalt am Arbeitsplatz betroffen oder fragen sich, wie Sie anderen Betroffenen helfen können? Hier finden Sie Tipps, was Sie tun können:

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