Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erkennen

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz kommt in zahlreichen Unternehmen und Organisationen vor. Betroffene können sich straf- und zivilrechtlich wehren.

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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Fast immer geht es um Macht

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sagt: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist jedes unerwünschte, sexuell bestimmte Verhalten, das die Würde der betroffenen Person verletzt.

Grundsätzlich gilt sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz als Diskriminierung. Betroffene können sich nicht nur direkt gegen Täter oder Täterinnen wehren, sondern auch bei ihrem Arbeitgeber Schutz und Hilfe einfordern. Darüber hinaus sind manche Formen sexueller Belästigung – jedenfalls dann, wenn sie mit körperlichen Übergriffen einhergehen – auch strafrechtlich relevant.

Wie erkenne ich sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz beginnt nicht erst mit unerwünschten Berührungen oder erzwungenen sexuellen Handlungen. Bereits sexuelle Anspielungen, aufdringliche Blicke oder obszöne Worte und Gesten fallen darunter. Aber auch Nachrichten mit sexuellem Inhalt zählen dazu. Ebenso unerwünschte erotische Bilder, die am Arbeitsplatz aufgehängt werden. Weitere Formen sind das Androhen beruflicher Nachteile bei Verweigerung von sexuellen Handlungen oder das Versprechen beruflicher Vorteile bei Entgegenkommen.

Die Täter oder Täterinnen können sich nicht damit herausreden, dass es sich lediglich um ein „Kompliment“ gehandelt habe. Studien zeigen, dass die meisten Menschen ein feines Gespür dafür haben, wann die Grenzen und die Würde eines Menschen verletzt sind. Sexuelle Belästigung ist ein bewusstes und geplantes Verhalten.

Wie oft kommt es in Deutschland zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat im Oktober 2019 eine neue Studie veröffentlicht. Demnach haben elf Prozent der befragten Erwerbstätigen in den vergangenen drei Jahren sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz erlebt. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Die Europäische Grundrechteagentur hat herausgefunden, dass jede vierte Frau in Deutschland im Laufe ihres Berufslebens sexuelle Belästigung erfährt.

Am Arbeitsplatz ist besonders gut zu sehen, dass es bei geschlechtsspezifischer Gewalt um Macht und Abhängigkeit geht: Besonders gefährdet sind Frauen in der Probezeit, in ungelernten Berufen und ungesicherten Arbeitsverhältnissen, in der Ausbildung und ohne festes Beziehungsgefüge am Arbeitsplatz. Die Täter und Täterinnen stammen aus allen beruflichen und sozialen Schichten. Im Betrieb stehen sie fast immer über den Betroffenen oder mit ihnen auf einer Stufe. Aber auch beispielsweise sexuelle Belästigung durch Kunden kann Betroffene sehr belasten.

Wer hilft bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?

  • Sexuelle Gewalt und andere Eingriffe in die sexuelle Selbstbestimmung sind strafrechtlich relevant und können bei der Polizei angezeigt werden.
  • Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) weist zudem dem Arbeitgeber die Pflicht zu, gegen alle anderen Formen sexueller Diskriminierung vorzugehen. Sie müssen eine Beschwerdestelle einrichten. Betroffene und ihr mitwissendes Umfeld können sich auch an die Personalabteilung, an den Betriebsrat oder die gewerkschaftliche Vertretung wenden.
  • Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berät Sie zu allen Fragen von sexueller Gewalt und Diskriminierung am Arbeitsplatz.
  • Sie können sich rund um die Uhr an das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ wenden oder einen Termin mit einer Frauenberatungsstelle ausmachen.
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