Sexismus und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erkennen

Sexismus und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz kommen in zahlreichen Unternehmen und Organisationen vor. Betroffene können sich straf- und zivilrechtlich wehren.

Mehr lesen

Sexismus und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Fast immer geht es um Macht

Wie können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich gegen sexistische Sprüche am Arbeitsplatz wehren und was muss der Arbeitgeber dagegen unternehmen? Wie lässt sich sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erkennen und ab wann fängt sie an?

Die Initiative „Stärker als Gewalt“ will Arbeitgeber und Führungskräfte darin bestärken, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Sexismus und sexueller Belästigung zu schützen. Ziel ist es, Arbeitgeber und Beschäftigte zu befähigen, Sexismus und sexuelle Belästigung zu erkennen, sie zu ermutigen hinzusehen und zu zeigen, wie man dem wirksam entgegentreten kann.​ Ein entschiedenes Vorgehen gegen Sexismus und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz fördert eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und schafft eine starke, respektvolle Unternehmenskultur.​

Video starten

Stärker als Gewalt

Elf Prozent der Erwerbstätigen haben bereits sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz erlebt. Arbeitgeber und das Umfeld sind gefragt, dagegen vorzugehen.

Video starten

Was genau ist Sexismus am Arbeitsplatz?

Sexismus ist mehr als ein „dummer Spruch“: Sexistisches Verhalten würdigt Menschen aufgrund ihres Geschlechts herab und kann sich in Worten oder Handlungen äußern. Eine sexistische Einstellung kann sich zum Beispiel in der Ablehnung von Gleichberechtigung zeigen oder in sexistischen Sprüchen am Arbeitsplatz, die „Frauen zurück an den Herd“ wünschen. Auch das Wahrnehmen von Frauen als reine Sexualobjekte ist eine sexistische Anschauung, die sich beispielsweise durch unerwünschte Kommentare zum Äußeren einer Person bemerkbar machen kann.

Sexismus ist ein Massenphänomen. 63 Prozent der Frauen und 49 Prozent der Männer in Deutschland geben an, dass sie schon einmal sexistische Übergriffe wahrgenommen haben oder selbst betroffen waren oder sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums (Pilotstudie „Sexismus im Alltag. Wahrnehmungen und Haltungen der deutschen Bevölkerung“ von Prof. Dr. Carsten Wippermann). Der Arbeitsplatz gehört für 41 Prozent der befragten Frauen und 45 Prozent der Männer zu den Orten, an denen Sexismus vorkommt.

Sexismus schadet der gesamten Gesellschaft. Das gilt auch für Unternehmen: Menschen, die sexistische Diskriminierung erleben, erbringen oft schlechtere Leistung, es kommt zu Fehlzeiten und Kündigungen. Für Unternehmen kann dadurch nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden, sondern auch ein Reputationsverlust entstehen. Auch die Attraktivität eines Arbeitgebers sinkt dadurch.

Was genau ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sagt: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist jedes unerwünschte, sexuell bestimmte Verhalten, das die Würde der betroffenen Person verletzt.

Grundsätzlich gilt sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz als Diskriminierung. Betroffene können sich nicht nur direkt gegen Täter oder Täterinnen wehren, sondern auch bei ihrem Arbeitgeber Schutz und Hilfe einfordern. Darüber hinaus sind manche Formen sexueller Belästigung – jedenfalls dann, wenn sie mit körperlichen Übergriffen einhergehen – auch strafrechtlich relevant.

Wie erkenne ich sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz beginnt nicht erst mit unerwünschten Berührungen oder erzwungenen sexuellen Handlungen. Bereits sexuelle Anspielungen, aufdringliche Blicke oder obszöne Worte und Gesten fallen darunter. Aber auch Nachrichten mit sexuellem Inhalt zählen dazu. Ebenso unerwünschte erotische oder pornografische Bilder, die am Arbeitsplatz aufgehängt werden. Weitere Formen sind das Androhen beruflicher Nachteile bei Verweigerung von sexuellen Handlungen oder das Versprechen beruflicher Vorteile bei Entgegenkommen.

Die Täter oder Täterinnen können sich nicht damit herausreden, dass es sich lediglich um ein „Kompliment“ gehandelt habe. Studien zeigen, dass die meisten Menschen ein feines Gespür dafür haben, wann die Grenzen und die Würde eines Menschen verletzt sind. Sexuelle Belästigung ist ein bewusstes und geplantes Verhalten.

Sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz:

Formen und Definitionen

Handelt es sich um sexuelle Belästigung? Betroffene sind oft unsicher: Anfangs erscheinen Belästigungen teils beiläufig, äußern sich in Anspielungen oder Gesten. Umso wichtiger ist es, Formen und Definitionen von sexualisierter Gewalt zu kennen.

Formen und Definitionen sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz:

Gesetz und Recht

Werden Beschäftigte sexuell belästigt, ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, dagegen vorzugehen. Auch nach dem Strafgesetzbuch können Tatpersonen zur Verantwortung gezogen werden. Deshalb ist es wichtig, die rechtlichen Fakten zu kennen, um sich gegen sexuelle Belästigung und Sexismus am Arbeitsplatz wehren zu können.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und Recht

Wie oft kommt es in Deutschland zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat im Oktober 2019 eine Studie veröffentlicht. Demnach haben elf Prozent der befragten Erwerbstätigen in den vergangenen drei Jahren sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz erlebt. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Die Europäische Grundrechteagentur hat herausgefunden, dass jede vierte Frau in Deutschland im Laufe ihres Berufslebens sexuelle Belästigung erfährt.

Am Arbeitsplatz ist besonders gut zu sehen, dass es bei geschlechtsspezifischer Gewalt um Macht und Abhängigkeit geht: Besonders gefährdet sind Frauen in der Probezeit, in ungelernten Berufen und ungesicherten Arbeitsverhältnissen, in der Ausbildung und ohne festes Beziehungsgefüge am Arbeitsplatz. Die Täter und Täterinnen stammen aus allen beruflichen und sozialen Schichten. Im Betrieb stehen sie fast immer über den Betroffenen oder mit ihnen auf einer Stufe. Aber auch sexuelle Belästigung durch Kunden und Kundinnen kann Betroffene sehr belasten.

Jetzt handeln

Gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Sie sind selbst von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen oder fragen sich, wie Sie anderen Betroffenen helfen können? Hier finden Sie Tipps, was Sie tun können:

Wer hilft bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?

  • Sexuelle Gewalt und andere Eingriffe in die sexuelle Selbstbestimmung sind strafrechtlich relevant und können bei der Polizei angezeigt werden.
  • Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) weist zudem dem Arbeitgeber die Pflicht zu, gegen alle anderen Formen sexueller Diskriminierung vorzugehen. Sie müssen eine Beschwerdestelle einrichten. Betroffene und ihr mitwissendes Umfeld können sich auch an die Personalabteilung, Gleichstellungsbeauftragte, an den Betriebsrat oder die gewerkschaftliche Vertretung wenden.
  • Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berät Sie zu allen Fragen von sexueller Gewalt und Diskriminierung am Arbeitsplatz.
  • Sie können sich rund um die Uhr an das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ wenden oder einen Termin mit einer Frauenberatungsstelle ausmachen.
mobile navi deaktivate