Sexualisierte Gewalt: Formen und Definitionen

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Bei sexualisierter Gewalt handelt es sich um Formen von Gewalt und Machtausübung mittels sexueller Handlungen. Das kann sexuelle Nötigung oder Belästigung bis hin zu Vergewaltigung sein. So können auch sexuelle Berührungen, anzügliche Bemerkungen oder Blicke dazu gezählt werden. Statistiken zu sexualisierter Gewalt in Deutschland zeichnen ein deutliches Bild: Allein 2018 verzeichnete die Kriminalstatistik rund 10.000 Fälle sexualisierter Gewalt. Der Begriff „sexualisierte Gewalt“ wird häufig anstelle des Begriffs „sexuelle Gewalt“ verwendet um zu verdeutlichen, dass bei den Taten – in Abgrenzung zu einvernehmlichen sexuellen Handlungen – Sexualität benutzt wird, um Gewalt auszuüben.

Was ist sexualisierte Gewalt?

Sexualisierte Gewalt kann in vielen Situationen vorkommen: in der Öffentlichkeit oder zuhause, in der Schule oder am Arbeitsplatz. Beleidigungen und Übergriffe im Internet und in Sozialen Medien können ebenso dazugehören. Sexualisierte Gewalt kommt im Sport ebenso vor wie sexuelle Belästigung in der Familie. Sexualisierte Gewalt findet oft in Abhängigkeitsverhältnissen statt. So kann sexualisierte Gewalt zum Beispiel Menschen mit Behinderung betreffen – insbesondere Menschen, die in Pflege- und/oder Betreuungseinrichtungen leben – oder in der Schule oder im Sport vorkommen.

Gehen die Übergriffe von Menschen aus dem nächsten Umfeld aus, sehen sich Betroffene oft mit der Frage alleingelassen: Was kann ich tun bei sexueller Gewalt in der Familie?

Sexuelle Gewalt in Partnerschaft und Ehe kommt in allen soziokulturellen und strukturellen Milieus und Altersgruppen vor. Beispielsweise können sexuelle Demütigungen eine Form darstellen, zum Beispiel die verbale Erniedrigung der Partnerin oder des Partners beim Sex.

Wer sexualisierter Gewalt ausgesetzt ist, sollte in keinem Fall schweigen und die Belästigungen und Übergriffe einfach ertragen. Sich an eine Beratungsstelle, z.B. im Unternehmen des Arbeitgebers, oder auch außerhalb zu wenden, kann ein erster Schritt sein. Um den eigenen Fall schildern und belegen zu können, ist es hilfreich, die Definition von sexualisierter Gewalt zu kennen.

Vergewaltigung und sexuelle Nötigung

Das Strafgesetzbuch definiert sexuelle Übergriffe bzw. sexuelle Nötigung wie folgt: Wer gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person sexuelle Handlungen an dieser Person vornimmt oder von ihr vornehmen lässt oder diese Person zur Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen an oder von einem Dritten bestimmt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. (§ 177 Absatz 1 StGB).

Ebenso wird nach § 177 Absatz 2 StGB bestraft, wer sexuelle Handlungen an einer anderen Person vornimmt oder von ihr vornehmen lässt oder diese Person zur Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen an oder von einem Dritten bestimmt, wenn die Tatperson ausnutzt, dass die Person nicht in der Lage ist, einen entgegenstehenden Willen zu bilden oder zu äußern, wenn die Tatperson ausnutzt, dass die Person auf Grund ihres körperlichen oder psychischen Zustands in der Bildung oder Äußerung des Willens erheblich eingeschränkt ist, es sei denn, die Tatperson hat sich der Zustimmung dieser Person versichert, wenn die Tatperson ein Überraschungsmoment ausnutzt, wenn die Tatperson eine Lage ausnutzt, in der dem Opfer bei Widerstand ein empfindliches Übel droht, oder die Tatperson die Person zur Vornahme oder Duldung der sexuellen Handlung durch Drohung mit einem empfindlichen Übel genötigt hat.

Von Vergewaltigung wird im Strafgesetzbuch (§ 177 StGB) also gesprochen, wenn der Beischlaf erzwungen wird, ebenso wenn erniedrigende sexuelle Handlungen vorgenommen werden, die mit dem Eindringen in den Körper gegen den Willen von Betroffenen verbunden sind. Zwei Drittel aller Vergewaltigungen finden zuhause, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz statt.  

Sexuelle Belästigung

Ab wann fängt Belästigung an? Wenn Frauen oder Männer sexuelle Anspielungen machen, kann dies ebenso eine Form von sexualisierter Gewalt sein wie sexistische Sprüche, anzügliche Witze oder anzügliches Anstarren oder unangemessene Kommentare zu Aussehen und Figur. Berührungen, die Betroffene als unerwünscht und unangenehm empfinden, können ebenfalls sexuelle Belästigung darstellen. Zum Beispiel das scheinbar versehentliche Berühren an Po oder Brust beim Vorbeigehen. Auch das Zunahetreten in einem Gespräch kann eine Übergriffigkeit darstellen. Obszöne Worte und Gesten, aufdringliche und unangenehme Blicke, das Zeigen oder Zusenden sexueller Inhalte und/oder von Pornografie können ebenso eine Form von sexualisierter Gewalt oder eine sexuelle Demütigung darstellen. Auch im digitalen Bereich​​​​​​​ – zum Beispiel im Internet, Messenger-Diensten – lassen sich diese Übergriffe zunehmend beobachten.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz:

Gesetz und Recht

Werden Beschäftigte sexuell belästigt, ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, dagegen vorzugehen. Auch nach dem Strafgesetzbuch können Tatpersonen zur Verantwortung gezogen werden. Deshalb ist es wichtig, die rechtlichen Fakten zu kennen, um sich gegen sexuelle Belästigung und Sexismus am Arbeitsplatz wehren zu können.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und Recht

Digitale Gewalt und Strafrecht:

Rechtliche Fakten – ein Überblick

Das Netz ist kein rechtsfreier Raum: Beleidigungen, Drohungen, Datendiebstahl oder andere Formen digitaler Gewalt können eine Straftat darstellen. Deshalb ist es wichtig, rechtliche Fakten zu kennen und gegen die Angriffe vorzugehen.

Digitale Gewalt und Strafrecht

DIREKTE HILFE

BEI SEXUALISIERTER GEWALT

Jeder Mensch geht mit einem Gewalterlebnis anders um. Schweigen Sie nicht über das Erlebte – oft kann ein erster Schritt ein Gespräch mit einer Vertrauensperson aus dem sozialen Umfeld sein.