Sexualisierte Gewalt erkennen

Sexualisierte Gewalt wertet Menschen durch sexuelle Handlungen oder Kommunikation gezielt ab, demütigt und erniedrigt sie. Wer sexualisierte Gewalt erfährt oder beobachtet, findet vielerorts Hilfe.

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Sexualisierte Gewalt hat viele Formen

Sexualisierte Gewalt ist jeder Übergriff auf die sexuelle Selbstbestimmung. Die Täter – im weit überwiegenden Teil handelt es sich um Männer, auch wenn sexualisierte Gewalt ebenfalls von Frauen ausgeht – zwingen den Betroffenen ihren Willen auf. Es geht also nicht um Lust oder Erotik, sondern um Machtverhalten.

Woran erkenne ich sexualisierte Gewalt?

Nicht nur körperliche Übergriffe wie Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, ein sexueller Übergriff oder sexueller Missbrauch zählen zu dieser Form von Gewalt. Auch sexuelle Belästigungen und jede Form unerwünschter sexueller Kommunikation zählen dazu – obszöne Worte und Gesten, aufdringliche und unangenehme Blicke, das Zeigen oder Zusenden sexueller Inhalte und/oder von Pornografie.

Wichtig zu wissen: Es gibt kein typisches Opferverhalten. Jede Frau geht anders mit dem Erlebten um. Die Verantwortung für den Übergriff liegt zu 100 Prozent beim Täter. Es spielt keine Rolle, was die betroffene Person gesagt, getan oder getragen hat.

Wie oft kommt es in Deutschland zu sexualisierter Gewalt?

Auch sexualisierte Gewalt ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Allein 2018 verzeichnete die Kriminalstatistik rund 10.000 Fälle sexualisierter Gewalt. Dies sind diejenigen Fälle, von denen die Polizei unterrichtet wurde. Doch nur 5 bis 15 Prozent der Betroffenen zeigen die Taten an. Nach repräsentativen Befragungen erleben zwei von drei Frauen in ihrem Leben sexuelle Belästigung. Jede siebte Frau wird Opfer schwerer sexualisierter Gewalt.

Ein häufiger Irrglaube ist, dass vor allem fremde Täter sexualisierte Gewalt ausüben – und dass sich Frauen schützen können, wenn sie Parks, dunkle Straßen und einsame Plätze meiden. Die Statistik zeigt jedoch, dass die Betroffenen den Täter häufig kannten. Sexualisierte Gewalt kommt zudem überall vor: in der Öffentlichkeit, zuhause, in der Schule und am Arbeitsplatz, im Internet und in sozialen Medien, aber auch in Vereinen, sozialen Einrichtungen und in der Therapie. Besonders gefährdet sind Frauen dort, wo Abhängigkeitsbeziehungen bestehen.

Wie ist die Rechtslage bei sexualisierter Gewalt?

Die meisten Formen sexualisierter Gewalt sind Straftaten. Vergewaltigung und sexueller Missbrauch gehören ebenso dazu wie sexuelle Nötigung oder bestimmte Formen der sexuellen Belästigung. Seit 2016 gilt im Strafrecht: Nein heißt nein. Ein Übergriff ist also schon dann strafbar, wenn er gegen den erkennbaren Willen der Frau ausgeführt wird. Es spielt keine Rolle mehr, ob sie sich körperlich gewehrt hat.

Wer hilft bei sexualisierter Gewalt?

  • Betroffene und ihr Umfeld können in jeder Situation, die bedrohlich erscheint, die 110 wählen.
  • Bei Straftaten sexualisierter Gewalt können Betroffene Strafanzeige erstatten oder einen Strafantrag stellen. Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung sowie die meisten anderen Sexualdelikte sind Offizialdelikte. Die Polizei muss dann ermitteln, sobald sie davon erfährt.
  • Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ berät Betroffene, Angehörige und Zeugen anonym und kostenlos unter 08000-116016. Die geschulten Mitarbeiterinnen stellen auf Wunsch Kontakt zu Beratungseinrichtungen und Hilfeangeboten vor Ort her.
  • Auch die Frauenberatungsstellen helfen Betroffenen und ihrem Umfeld weiter.
  • Frauenhäuser bieten Frauen Schutz vor weiterer Gewalt.
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