Mobbing erkennen

Mobbing ist fortgesetzte Gewalt einer Person oder Gruppe gegenüber einer anderen Person. Häufig findet Mobbing am Arbeitsplatz statt. Gute Beratung ist wichtig.

Mehr lesen

Mobbing: Wenn aus Konflikten Psychoterror wird

Mobbing gibt es in vielen gesellschaftlichen Bereichen. Ein relativ neues Phänomen ist das sogenannte Cybermobbing. Betroffene werden dabei in Chatrooms, Foren und Sozialen Netzwerken oder über Mitteilungsdienste diffamiert, belästigt, bedrängt oder genötigt. Am weitesten verbreitet ist Mobbing am Arbeitsplatz. Diese Form des Mobbings wird im Folgenden näher betrachtet.

Die Rechtsprechung versteht unter Mobbing am Arbeitsplatz das systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte. Es ist also kein einfacher Konflikt, der mit besonders harten Mitteln ausgetragen wird. Hinter Mobbing steckt eine Dynamik, die auf Macht und Kontrolle in größeren Gruppen abzielt. Normalerweise gibt es einen oder wenige Angreiferinnen oder Angreifer – und eine größere Zahl Unbeteiligter, die nicht eingreifen.

Woran erkenne ich Mobbing?

Die einzelnen Formen von Mobbing sind oftmals nicht klar von anderen Gewaltformen abzugrenzen. Üblicherweise zählt dazu das gezielte Verbreiten von Gerüchten, der Ausschluss aus Gesprächen und Entscheidungen, das Zerstören oder Vorenthalten von Arbeitsmitteln sowie abwertende und respektlose Umgangsformen. Aber auch die Zuteilung sinnloser, entwürdigender oder gesundheitsschädigender Aufgaben, das absichtliche Erzeugen von Stress oder die ungerechtfertigte Schlecht-Bewertung von Arbeitsergebnissen fallen unter die Definition von Mobbing. In besonders schweren Fällen kommt es auch zu körperlicher Gewalt.
Wichtig zu wissen: Mobbing ist keine einzelne Handlung, sondern verläuft in vielen Fällen ähnlich.

  • In der ersten Phase führt ein offener oder versteckter Konflikt zu ersten Schuldzuweisungen und persönlichen Angriffen.
  • In der zweiten Phase beginnt der Psychoterror. Der eigentliche Konflikt gerät in den Hintergrund. Die betroffene Person wird immer häufiger zur Zielscheibe systematischer Schikanen.
  • In der dritten Phase eskaliert die Situation. Die gemobbte Person ist verunsichert und macht Fehler. Die Angriffe werden verstärkt.
  • Die vierte Phase kommt schließlich dem Ausschluss der Betroffenen gleich. Sie kündigen selbst, werden gekündigt oder stimmen einem Aufhebungsvertrag zu.

Wie oft kommt es in Deutschland zu Mobbing?

Eine europaweite Erhebung zu Arbeitsbedingungen (2015) kommt zu dem Schluss, dass in Deutschland etwa fünf Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Mobbing am Arbeitsplatz betroffen sind. Das wären derzeit rund 2,25 Millionen Menschen. In der Vergangenheit haben Erhebungen gezeigt, dass besonders Frauen, Auszubildende und ältere Beschäftigte schon einmal mobbendes Verhalten erlebt haben.

Ausgeübt wird Mobbing eher durch Männer. Viele Täter und Täterinnen sind Vorgesetzte und im Alter zwischen Mitte Dreißig und Ende Fünfzig. Oft gehören sie dem Betrieb schon mehrere Jahre an. Hier zeigt sich deutlich, dass Mobbing in bestehende Macht- und Gewaltstrukturen eingebettet ist.

Besonders oft kommt Mobbing in sozialen Berufen, im Finanzgewerbe und im Handel vor. 

Wer hilft bei Mobbing?

  • Einzelne Handlungen wie Beleidigungen, das Zerstören von Eigentum oder Körperverletzung sind strafrechtlich relevant und können bei der Polizei angezeigt werden.
  • Der Arbeitgeber hat eine gesetzlich verankerte Fürsorgepflicht und muss betroffene Beschäftigte schützen. Anti-Mobbing-Beauftragte sind jedoch selten. Ansprechpartner im Unternehmen können sein: die Personalabteilung, der Betriebsrat oder die gewerkschaftliche Vertretung oder auch ein Gleichstellungsbeauftragter.
  • Kostenlos, anonym und vertraulich unterstützen auch das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ sowie Frauenberatungsstellen in Ihrer Nähe.
×

Diese Website verwendet Cookies, um die Funktionalität bestimmter Anwendungen zu gewährleisten, zum Beispiel beim Bestellservice für Publikationen. Zudem werden zu Optimierungszwecken pseudonymisierte Zugriffsdaten gesammelt und gespeichert. Näheres hierzu erfahren Sie in den Datenschutzhinweisen. Dort haben Sie auch die Möglichkeit, sich von der statistischen Erfassung ausnehmen zu lassen.