Häusliche Gewalt erkennen

Häusliche Gewalt bezeichnet Gewalttaten zwischen Menschen, die in einer häuslichen Gemeinschaft leben oder lebten, beispielsweise in einer Ehe, Lebenspartnerschaft oder Beziehung. Zahlreiche Hilfsangebote unterstützen Betroffene und ihr Umfeld.

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Häusliche Gewalt: Verbreiteter als viele denken

Häusliche Gewalt bezeichnet jede Form körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt innerhalb einer bestehenden oder beendeten häuslichen Gemeinschaft; also zum Beispiel in einer Ehe, einer eingetragenen Lebenspartnerschaft oder einer nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft. Für die Betroffenen ist besonders belastend, dass die Übergriffe in einer Umgebung wie beispielsweise ihrem Zuhause stattfinden, die eigentlich geschützt sein sollte. Häusliche Gewalt passiert in der eigenen Wohnung, aber auch in der Öffentlichkeit. Auch wenn ein Großteil der Betroffenen häuslicher Gewalt Frauen sind, betrifft häusliche Gewalt auch Männer.  

Woran erkenne ich häusliche Gewalt?

Zu häuslicher Gewalt zählen nicht nur Schläge. Körperliche Gewalt ist nur eine Facette eines komplexen Verhaltensmusters, das umfassend auf Macht und Kontrolle zielt. Betroffene sind häufig auch psychischer Gewalt wie Demütigungen, Drohungen, Einschüchterungen, sozialer Isolation oder wirtschaftlichem Druck durch den Täter ausgesetzt.

Meistens beginnt häusliche Gewalt schleichend. Umso wichtiger ist es, Warnsignale frühzeitig zu erkennen. So kann es etwa sein, dass sich der Partner oder die Partnerin plötzlich jähzornig oder beleidigend verhält. Andere beginnen damit, Ausgaben, Handy oder soziale Kontakte zu kontrollieren. Häusliche Gewalt ist oft kein einmaliges Phänomen, sondern ein wiederkehrendes. Sie wiederholt sich und wird dabei häufig schlimmer.

Für das Umfeld kann sich die Gewalt so zeigen: Eine Freundin, Verwandte oder Kollegin zieht sich plötzlich von ihrem sozialen Umfeld zurück. Sie wirkt unsicher, nervös oder gereizt. Auch plötzliche Gewichtsveränderungen oder ein erhöhter Konsum von Suchtmitteln wie Alkohol, Zigaretten oder Tabletten treten auf. Ständige Erschöpfung oder Verletzungen können ebenfalls Warnsignale sein.

Häufig liefert auch die Lebenssituation eines Paares Hinweise. Zu häuslicher Gewalt kommt es oft im Zusammenhang mit Veränderungen wie der Geburt eines Kindes, Arbeitslosigkeit oder einer Trennung sowie belastenden Umständen wie Schulden oder Suchterkrankungen.
Kinder, die im Haushalt leben, sind ebenfalls hochgradig betroffen. Auch hier können die erwähnten Symptome auftauchen.

Wie häufig kommt es zu häuslicher Gewalt in Deutschland?

Die Zahlen aus der repräsentativen Dunkelfeld-Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 2004 zeigen: Häusliche Gewalt ist in Deutschland erschreckende Realität. Rund jede vierte Frau erlebt mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexualisierte Gewalt durch einen aktuellen oder früheren Beziehungspartner.

Bei den körperlichen Übergriffen handelt es sich um ein breites Spektrum unterschiedlich schwerwiegender Gewalthandlungen. Die Übergriffe reichen von wütendem Wegschubsen und Ohrfeigen bis hin zum Schlagen mit Gegenständen, Verprügeln und Gewaltanwendungen mit Waffen. Die Angaben zu sexuellen Übergriffen beziehen sich auf eine enge Definition erzwungener sexueller Handlungen, das heißt Vergewaltigung und sexuelle Nötigung. Zwei Drittel der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen haben schwere oder sehr schwere körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlitten.

Auch Männer werden Opfer von Partnerschaftsgewalt. In vier von fünf Fällen ist nach polizeilicher Kriminalstatistik jedoch eine Frau betroffen.

Wie ist die Rechtslage bei häuslicher Gewalt?

Physische und viele Formen psychischer Gewalt sind strafbar. Das Strafrecht macht keinen Unterschied, ob diese Taten in oder außerhalb einer Partnerschaft passieren. Zudem haben die Betroffenen über das Gewaltschutzgesetz eine Reihe zivilrechtlicher Ansprüche. Sie können die Täterin oder den Täter der Wohnung verweisen, ein Kontaktverbot erwirken oder Schmerzensgeld einklagen.

​​​​​​​Wer hilft in Fällen häuslicher Gewalt?

  • In bedrohlichen Situationen gilt: Sofort den Notruf der Polizei 110 wählen. Dabei muss es noch nicht zu körperlicher Gewalt gekommen sein. Es reicht, dass die Situation als bedrohlich empfunden wird.
  • Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ bietet eine kompetente, anonyme und kostenlose Beratung unter der Nummer 08000-116016.
  • Auch die bundesweit vertretenen Frauenberatungsstellen sind Anlaufstellen für betroffene Frauen und Menschen, die Gewalt an Frauen beobachten.
  • Frauenhäuser bieten Frauen Schutz vor weiterer Gewalt.
  • Sind Kinder von häuslicher Gewalt betroffen, bieten die Jugendämter Beratungen an – auch anonym und telefonisch.
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