Gewalt im Namen der „Ehre“ erkennen

Unter Gewalt im Namen der „Ehre“ werden gewalttätige Handlungen verstanden, die Täter damit begründen, die „Familienehre“ aufrechterhalten oder wiederherstellen zu wollen.

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Gewalt im Namen der „Ehre“: Gewalt ist niemals richtig

Diese Form der Gewalt beginnt oftmals mit emotionalem Druck und Erpressung. Sie kann darüber hinaus aber auch Formen von körperlicher und sexualisierter Gewalt annehmen, bis hin zu Zwangsverheiratungen und Tötungen, die als „Ehrenmorde“ bezeichnet werden.

Gewalt im Namen der „Ehre“ kommt in besonders patriarchalischen und abgeschotteten Familienstrukturen vor. Frauen gelten dort als Besitz. Die „Ehre“ der Männer hängt vom „richtigen“ Verhalten der Mädchen und Frauen in der Familie ab. Seinen symbolischen Ausdruck findet dieses „richtige“ Verhalten in der Kontrolle des weiblichen Körpers und der weiblichen Sexualität.

Woran erkenne ich Gewalt im Namen der „Ehre“?

Gewalt im Namen der „Ehre“ umfasst grundsätzlich alle Formen, die auch sonst bei häuslicher Gewalt vorkommen. Dazu zählen Demütigungen, Drohungen, Einschüchterungen, Kontrolle von Bewegung und Kontaktverhalten, soziale Isolation, wirtschaftlicher Druck, aber auch körperliche oder sexualisierte Gewalt.

Anders als bei Gewalt in Partnerschaften sind die Täterinnen und Täter aber nicht nur aktuelle oder vergangene Beziehungspartner. Gewalt im Namen der „Ehre“ führen meist männliche Angehörige der Familie wie Väter, Brüder, Onkel oder Cousins aus. Häufig sind mehrere Mitglieder einer Familie, auch Frauen, in die Planung und Ausführung miteinbezogen.

Gewalt im Namen der „Ehre“ bleibt außerdem häufig versteckter als andere Formen häuslicher Gewalt oder Gewalt in Partnerschaften. Die Auffassung von „richtigem“ Verhalten ist in patriarchalischen Kontexten kollektiv geteilt und an gesellschaftlichen Druck geknüpft. Daher glauben Familienmitglieder oft, dass sie richtig handeln. Wenn sich Betroffene wehren, stellen sie sich nicht selten gegen die gesamte Familie. Daher fällt es ihnen besonders schwer, die Gewalt ohne Hilfe Dritter zu beenden.

Wer hilft bei Gewalt im Namen der „Ehre“?

  • In bedrohlichen Situationen gilt: Sofort den Notruf der Polizei 110 wählen.
  • Die Formen von Gewalt im Namen der „Ehre“ unterliegen den gleichen strafrechtlichen Normen wie jede andere Form häuslicher Gewalt auch. Betroffene können bei der Polizei Anzeige erstatten. Zudem haben sie die gleichen zivilrechtlichen Ansprüche nach dem Gewaltschutzgesetz.
  • Anonyme und kostenlose Beratung leisten auch das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ und spezialisierte Frauenberatungsstellen in der näheren Umgebung.
  • Frauenhäuser bieten Frauen Schutz vor weiterer Gewalt.
  • Sind Kinder involviert, berät das Jugendamt – auch anonym und telefonisch.
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