Weibliche Genitalverstümmelung erkennen

Weibliche Genitalverstümmelung umfasst alle Praktiken, bei denen das äußere weibliche Genital teilweise oder vollständig entfernt wird, sowie andere medizinisch nicht begründete Verletzungen am weiblichen Genital.

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Weibliche Genitalverstümmelung: Lebensgefährliche Tradition

Weibliche Genitalverstümmelung umfasst alle Praktiken, bei denen das äußere weibliche Genital teilweise oder vollständig entfernt wird sowie andere medizinisch nicht begründete Verletzungen am weiblichen Genital.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet vier Formen von weiblicher Genitalverstümmelung:

  • Sunna-Beschneidung: Entfernung der Vorhaut mit der ganzen oder einem Teil der Klitoris,
  • Exzision: Entfernung der Klitoris mit teilweiser oder totaler Entfernung der kleinen Schamlippen,
  • Infibulation: Entfernung der ganzen oder eines Teils der äußeren Genitalien und Verengung oder Verschließung der vaginalen Öffnung,
  • andere Formen von medizinisch nicht erforderlichen Verletzungen der äußeren und/oder inneren weiblichen Geschlechtsorgane wie zum Beispiel Piercing, Einschnitt oder Einriss der Klitoris.

Unmittelbar nach dem Eingriff kann es zu lebensgefährlichen Blutungen oder Infektionen kommen. Langfristig können weitere schwerwiegende körperliche und psychische Folgeerkrankungen auftreten: andauernde Schmerzen und häufige Erkrankungen des Unterleibs, Schmerzen beim Urinieren und der Menstruation, Infektionen, aber auch Traumafolgen wie Nervosität, Schlafstörungen sowie Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken. 

Weibliche Genitalverstümmelungen werden meist durch Frauen durchgeführt und mit kulturellen Traditionen verbunden. So gelten in manchen Kulturen nur Frauen als heiratsfähig oder als besonders fruchtbar, an denen eine weibliche Genitalverstümmelung durchgeführt wurde. Oft sind weibliche Genitalverstümmelungen auch ein Eintrittsritual ins Erwachsenenalter und Teil einer feierlichen Zeremonie.

In Deutschland ist weibliche Genitalverstümmelung nicht nur strafbar, sondern auch als schwerwiegende Menschenrechtsverletzung anerkannt. Im Asylverfahren kann ein bereits erfolgter oder drohender Eingriff als Fluchtgrund anerkannt werden.

Woran erkenne ich Betroffene von weiblicher Genitalverstümmelung?

Eine drohende oder bereits erfolgte weibliche Genitalverstümmelung ist für Außenstehende schwer zu erkennen. Die betroffenen Frauen und Mädchen schweigen zumeist aus Scham oder Angst. Den Verantwortlichen, meist aus dem engen familiären Umfeld, fehlt in der Regel das Unrechtsbewusstsein. Fast immer glauben sie, zum Besten der Mädchen und Frauen zu handeln.

Weit verbreitet sind Genitalverstümmelungen in 30 afrikanischen Ländern, in einigen Ländern Südostasiens und Lateinamerikas sowie der arabischen Halbinsel. Weibliche Genitalverstümmelung wird in den Einwanderungsgesellschaften in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland weiter fortgeführt.

Wie oft kommt es in Deutschland zu weiblicher Genitalverstümmelung?

Eine vom Bundesfrauenministerium geförderte empirische Studie über weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland zeigt: Ungefähr 47.000 Mädchen und Frauen sind in Deutschland von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen, bis zu 5.700 Mädchen und Frauen sind von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht (Stand Februar 2017).

Das deutsche Strafrecht hat einen eigenen Tatbestand, der die weibliche Genitalverstümmelung unter Strafe stellt. Das gilt auch bei der Durchführung im Ausland, wenn der Täter zur Zeit der Tat Deutscher ist oder die Person, gegen die sich die Tat richtet, ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Angezeigt werden jedoch nur die wenigsten Fälle. Die Kriminalstatistik weist für das Jahr 2018 vier Fälle aus.

Wer hilft bei weiblicher Genitalverstümmelung?

  • In akut bedrohlichen Situationen hilft die Polizei unter dem Notruf 110.
  • Bei Minderjährigen liegt zudem eine Kindeswohlgefährdung vor. Das Jugendamt ist zuständig und unterstützt die betroffenen Mädchen.
  • Familiengerichte können das Aufenthaltsbestimmungsrecht entziehen oder entsprechend einschränken oder das Gebot regelmäßiger Kinderarztbesuche aussprechen.
  • Das Passgesetz sieht bei einer drohenden weiblichen Genitalverstümmelung im Ausland den Entzug des Passes vor.
  • Eine weitere Anlaufstelle ist das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, das Opfer, Angehörige und Zeugen rund um die Uhr berät und zu lokalen Hilfsorganisationen weiterleitet.
  • Es gibt zudem in allen Bundesländern spezialisierte Frauenberatungsstellen.
  • Frauenhäuser bieten Frauen Schutz vor (weiterer) Gewalt.
  • INTEGRA, die Dachorganisation gegen weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland, kann über spezialisierte Beratungsstellen informieren.
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